Samstag, 25. Januar 2014

Tigri - Winterhilfe Prislop

Eine großzügige Spende hat es mir erlaubt, etwas auszuprobieren, was ich immer schon mal machen wollte: Geld. Nicht in dem Sinne Geld wie Heu, sondern Geld wie Währung. Eine zweckgebundene Währung.
In Prislop, dem Romadorf in meiner Nachbarschaft habe ich nun 90 mal 5 Tigri verteilt. 

Tigri deshalb, weil die rumänische Währung Lei, also Löwen heißt. Die Tiger sind eins zu eins an die Löwen gebunden, mit der einzigen Auflage, dass sie nicht für Rauchwaren, Alkohol oder Kaffee ausgegeben werden können. Den Gegenwert für die 450 Tigri, also 450 Lei (100 Euro) deponiere ich im Magazin Mixt (Tante Emma Laden) meiner guten Freunde. Dort können die Tigri gegen Waren eingetauscht werden.
Dies ist als Winterhilfe gedacht und ist im Moment eingeschränkt auf 10 Tigri (€ 2,20) pro Woche pro Schulkind der 1. bis 4. Klasse, und die Babys unter 6 Monaten bekommen diese Hilfe auch. Das ist gerade mal genug für ein tägliches Pausenbrot oder ein paar Windeln für 45 Kinder insgesamt, wie sich rechnerisch ergibt. Im Moment wird das Geld wohl für etwa acht Wochen reichen.
Bei der ersten Verteilung war ich angenehm überrascht, wie glatt das alles ging. Die Mütter freuten sich und sagten artig Dankeschön und Vergeltsgott. Ganz im Kontrast zu den früheren Erfahrungen, wo es zuweilen auch mal eine lautstarke Auseinandersetzung gab, wer denn nun der Bedürftigere sei.
Vielleicht kommt die Lautstärke erst bei der nächsten Ausgabe, dachte ich mir, nachdem die erste Überraschung vorbei ist. Aber nein, heute machte ich zum zweiten Mal die Runde, in Begleitung versteht sich, und es ging sogar noch glatter, weil ich nichts mehr erklären musste.




Das erste Feedback, das ich bekam, war Freude darüber, wie würdig diese Art von Programm ist. So hörte ich zum Beispiel, dass es auch schon mal einen Sack Kartoffeln oder Zwiebeln gab, von netten Ausländern, die mit einem Hilfstransport gekommen waren. Leider gibt es in Prislop keine Keller, also konnten die Kartoffeln nicht eingelagert werden und gingen zumeist an die Schweine. Dann wurde auch Essen gebracht, das die Roma gar nicht verwenden. Im Gegensatz dazu war die Freude groß, dass diesmal eine junge Mutter Windeln für ihr Baby kaufen konnte, oder je nach Belieben Brot, Wurst, Eier und Margarine, wie es gerade gebraucht wurde, und auch in den richtigen Mengen.
Man könnte vielleicht fragen, warum sich ein Geschäft an der ganzen Sache bereichern sollte. Jedoch weiß ich sicher, dass der Laden eine schmale Gewinnspanne hat. Denn wären die Preise nicht konkurrenzfähig, würden die Prisloper hinunter ins Dorf gehen zum Einkaufen. Dieses bisschen Gewinn darf man also ruhig den Leuten gönnen, die sich die Arbeit machen.

Es gab viele Anfragen, ob das Programm nicht auch auf Kindergartenkinder ausgeweitet werden kann. Das wären insgesamt noch einmal 31 Kinder, etwa 70 Euro pro Woche. Diesen Betrag würde ich gerne den Lesern dieses Blogs ans Herz legen. (Informationen über ein Spendenkonto auf Anfrage.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen